Freigänger lassen sich von Grundstücksgrenzen nicht aufhalten. Nicht immer ist die Katze in Nachbars Garten willkommen – vor allem dann nicht, wenn sie das fremde Blumenbeet als Katzenklo missbraucht. Nach zwei aktuellen Urteilen müssen Nachbarn den Katzenbesuch trotzdem dulden. In ihrem Gastbeitrag schildert die Juristin Gabriele Weintz die beiden Fälle. Pikantes Detail: Die Kläger hatten den von der Katze verscharrten Kot zu Beweiszwecken wieder ausgegraben.

Gastbeitrag: Darf meine Katze ein fremdes Grundstück betreten?

Nicht alle Menschen sind Katzenfreunde. Das erkennt man immer wieder, wenn Streitigkeiten über Katzenbesuch vor Gericht enden. Doch den Katzenbesuch gerichtlich verbieten zu lassen ist gar nicht so einfach.

Katzenbesuch auf fremdem Grundstück

In vielen Fällen haben die Kläger etwas dagegen, dass fremde Katzen ihr Grundstück überhaupt betreten. Doch dies zu unterbinden ist rechtlich schwierig und in der Realität noch viel weniger praktikabel. So klagten in zwei voneinander unabhängigen Fällen Grundstücksinhaber dagegen, dass die Nachbarskatzen ihr Grundstück betraten. Im einen Fall handelte es sich um ein typisch ländliches Wohngebiet mit überwiegend Einfamilienhausbebauung am Ortsrand, im anderen Fall um ein Wohngebiet bebaut mit Ein- und Mehrfamilienhäusern mit Gärten.

In beiden Fällen stellten die Richter fest, dass die klagenden Nachbarn das Betreten ihrer Grundstücke durch ein oder zwei Katzen eines Nachbarn aufgrund des nachbarschaftlichen Gemeinschaftsverhältnisses aus Treu und Glauben gem. § 242 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) dulden müssen. In oben genannten Wohngebieten gehören die Tierhaltung und damit auch der Kontakt zu Tieren, insbesondere mit Katzen und Hunden, dazu. Daher ist es den Klägern zuzumuten, dass frei laufende Katzen ihre Grundstücke gelegentlich betreten.

Katzenkot und Kratzspuren im Blumenbeet

Die Kläger machten neben dem Besuch der Katzen auf den Grundstücken zusätzlich geltend, dass die Nachbarskatzen sowohl Urin als auch Kot in den jeweiligen Blumenbeeten absetzten und dabei Kratzspuren in den Beeten hinterlassen haben. Auch dagegen wendeten sie sich mit ihren Klagen vor Gericht.

Die Richter stellten in beiden Fällen jedoch fest, dass die Verunreinigungen weder außergewöhnlich noch zwingend nur den Nachbarskatzen der jeweiligen Beklagten zuzurechnen sind. Außerdem vergraben Katzen im Normalfall ihren Kot, so dass davon eben keine nennenswerte bzw. außergewöhnliche Belästigung ausgeht. Haben die Kläger den Kot zu Beweiszwecken aber selbst wieder ausgegraben, so können sie sich gerade nicht darauf berufen, dass sie dadurch erheblich beeinträchtigt sind.

Katzenabwehr nicht konsequent verfolgt

Zur Wahrung des nachbarschaftlichen Friedens haben die Beklagten in einem Fall sogar einen sog. Katzenschreck angebracht, der die eigenen Katzen daran hindern sollte, das Nachbarsgrundstück zu betreten. Dieser Katzenschreck wurde jedoch von den Klägern wieder entfernt. Auch haben die Kläger es unterlassen, die Katzen eigenständig von ihrem Grundstück zu vertreiben, sei es durch laute Geräusche oder Verscheuchen mit Wasser. Daher können sie sich gerade nicht darauf berufen, dass sie durch den Besuch der Katzen auf ihrem Grundstück in hohem Maße beeinträchtigt sind.

(Landgericht Oldenburg, Urteil v. 29.07.2011, Az.: 8 S 578/10; Amtsgericht Offenbach, Urteil v. 25.07.2012, Az.: 380 C 268/11)

Über die Autorin

Gabriele Weintz ist Wirtschaftsjuristin LL.B. und Redakteurin in der juristischen Redaktion von anwalt.de. Unter der gebührenfreien Telefonnummer 0800/4040530 unterstützt anwalt.de Menschen, die einen passenden Anwalt suchen oder eine telefonische Rechtsberatung benötigen.

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