Kastration bei Katze und Kater: 7 Fragen und Antworten

von Bärbel
Kastration: Katze mit Schutzkragen

Welche Vorteile hat eine Kastration? Was wird da eigentlich genau gemacht und welche Risiken gibt es? Dieser Artikel beantwortet die wichtigsten Fragen zur Kastration von Katzen und Katern.

Inhaltsübersicht

  1. Warum solltet ihr eure Katze kastrieren lassen?
    Kastration als Empfängnisverhütung
    Kastrierte Katzen leben weniger gefährlich
    Weniger Stress durch Kastration
    Kastration als aktiver Beitrag zum Tierschutz
  2. Wie läuft die Kastration bei der Katze ab?
    Wann ist die Wunde verheilt?
  3. Wie läuft die Kastration beim Kater ab?
  4. Was ist der Unterschied zwischen Kastration und Sterilisation?
  5. Was kostet die Kastration einer Katze?
  6. Wann ist der richtige Zeitpunkt für den Eingriff?
    Frühkastration
    Entscheidung am besten individuell treffen
  7. Hat eine Kastration auch Nachteile?
    Rolligkeit trotz Kastration
    Übergewicht

1. Warum solltet ihr eure Katze kastrieren lassen?

Nahezu alle Tierschützer und Katzenexperten empfehlen die Kastration von Freigänger-Katzen. In der Tiermedizin gilt sie inzwischen als Routineeingriff. Doch vielleicht fragt ihr euch, ob so eine Operation wirklich nötig ist.

In der Tat hat eine Kastration viele Vorteile – für euer Tier, für euch selbst und sogar für andere Katzen. Auch für Wohnungskatzen kann der Eingriff sinnvoll sein.

Kastration als Empfängnisverhütung

Was gibt es Niedlicheres als einen Wurf mit kleinen Kätzchen? Da fällt mir – ehrlich gesagt – nicht allzu viel ein. Viele Menschen glauben, dass eine Katze einmal in ihrem Leben Junge bekommen muss, um glücklich zu sein. Da ist die Versuchung groß, es einfach mal drauf ankommen zu lassen.

Katzen sind sehr fruchtbar

Katzen sind ausgesprochen fruchtbare Tiere: Ein unkastriertes Weibchen bringt im Durchschnitt drei bis fünf Junge zur Welt. Nicht nur einmal, sondern sogar zweimal im Jahr!

Da wird es irgendwann immer schwieriger, vertrauenswürdige Abnehmer für die kleinen Racker zu finden. Sicher wollt ihr die Kätzchen nicht irgendjemandem in die Hand drücken, sondern ihr wollt sie in ein gutes Zuhause vermitteln. Leider landen viele Katzenkinder aus solchen „Oops-Würfen“ dann doch auf der Straße oder im Tierheim.

Wenn ihr das verhindern wollt, gibt es nur eine Lösung: Lasst eure Katze kastrieren.

Kastrierte Katzen leben weniger gefährlich

Im Vergleich zu ihren kastrierten Artgenossen leben unkastrierte Kater ziemlich gefährlich: Auf der Suche nach einer Partnerin legen sie oft sehr weite Strecken zurück – und lassen sich auch nicht durch verkehrsreiche Straßen oder Bahngleise aufhalten.

Außerdem sind sie hormonell bedingt häufiger in Revierkämpfe mit anderen Katern verwickelt. Dabei können sie ernsthafte Verletzungen davontragen oder sich mit schweren Infektionskrankheiten wie FeLV (Felines Leukämievirus) oder FIV (Katzen-Aids) anstecken.

Mit dem Verlust ihrer Fortpflanzungsorgane werden die Kater ruhiger und halten sich näher an ihrem Zuhause auf. Das Risiko, sich bei einem Kampf zu verletzen oder vom Auto überfahren zu werden, wird deutlich geringer.

Weniger Stress durch Kastration

Auch wenn ihr euer Tier ausschließlich in der Wohnung haltet und es keinen Kontakt zum anderen Geschlecht hat, solltet ihr es kastrieren lassen.

Normalerweise sind Kater mit acht bis zehn Monaten geschlechtsreif. Manche sind auch schon im zarten Alter von fünf Monaten so weit. Dann ist es Zeit, auf Brautschau zu gehen.

Als Wohnungskatze können sie aber nicht raus. Um eine Partnerin anzulocken, bringen sie deshalb überall in der Wohnung Harnmarkierungen an. Der Urin potenter Kater riecht sehr penetrant. Um zu vermeiden, dass eure ganze Wohnung nach Katzenpipi stinkt, solltet ihr euren Kater kastrieren lassen.

Bei den Weibchen setzt die Geschlechtsreife etwas früher, nämlich ungefähr mit sechs bis acht Monaten ein. Dann werden sie zum ersten Mal rollig. Eine rollige Katze erkennt man meist daran, dass sie sich auf dem Boden wälzt und schreit. Außerdem ist sie unruhig. Dieser Zustand dauert etwa drei bis vier Tage an, bis sie von einem Kater gedeckt und trächtig wird.

Risiko Dauerrolligkeit

Wird sie nicht von einem Kater gedeckt, kann sie alle zwei bis drei Wochen rollig werden. Im schlimmsten Fall droht eine Dauerrolligkeit – ein Zustand, der für die Katze extrem belastend ist. Der Hormonstau kann außerdem zu Entzündungen der Gebärmutter führen.

Auch für Wohnungskatzen gilt daher: Eine rechtzeitige Kastration kann euren Miezen und euch selbst jede Menge Stress ersparen.

Kastration als aktiver Beitrag zum Tierschutz

Streunerkatze

Junge Streunerkatze

Experten schätzen, dass hierzulande ungefähr zwei Millionen Katzen auf der Straße leben. Fast alle sind ausgesetzte Hauskatzen oder deren Nachkommen. Sie verstecken sich auf Friedhöfen, in Ruinen oder auf verwilderten Grundstücken. Ihr Leben ist geprägt von Hunger und Krankheit. Während eine normale Hauskatze im Durchschnitt 15 Jahre alt wird, beträgt die Lebenserwartung einer Straßenkatze nur wenige Monate.

Das Streuner-Elend wird weitervererbt

Wird nichts unternommen, wird das Elend von Generation zu Generation weitervererbt, denn auch eine Streunerkatze bekommt laufend Nachwuchs. Angenommen, sie bekommt zweimal im Jahr drei Junge, die sich ebenfalls fleißig weiter vermehren. Nach einem Jahr sind das schon 12 Katzen und nach drei Jahren ist die Nachkommenschaft auf fast 500 Individuen angewachsen. Nach zehn Jahren wären das – rein rechnerisch – rund 200 Millionen Katzen.

Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen, führen Tierschützer Kastrations-Aktionen durch: Die Streuner werden eingefangen, in einer Tierarztpraxis kastriert und nach dem Eingriff wieder freigelassen.

Doch die Streunerkatzen paaren sich auch mit unkastrierten Freigängern, die ein Zuhause haben. Deshalb sollten verantwortungsbewusste Katzenbesitzer ihre Miezen unbedingt kastrieren lassen, damit die Streuner-Population und das damit einhergehende Leid nicht noch größer wird.

Anzeige Deine Tierheim-Katze

2. Wie läuft die Kastration bei der Katze ab?

Die Kastration ist heutzutage eine Routine-Operation. Sie wird unter Vollnarkose durchgeführt, d.h. euer Katzenweibchen muss am OP-Tag nüchtern sein.

Zuerst wird unterhalb des Bauchnabels ein ein bis zwei Zentimeter langer Schnitt durch Haut, Unterhaut und Bauchdecke gemacht. Anschließend werden die Eierstöcke vorgelagert, abgeklemmt, abgebunden und entfernt. Anschließend wird die Operationswunde vernäht.

Wann ist die Wunde verheilt?

Etwa zehn Tage nach dem Eingriff ist die Wunde normalerweise verheilt und die Fäden können gezogen werden. Manche Tierärztinnen verwenden auch selbstauflösende Fäden, so dass euch und eurer Mieze ein zweiter Besuch in der Praxis erspart bleibt.

Möglicherweise muss eure Samtpfote nach der OP für einige Tage einen Kragen oder einen Body tragen. So wird verhindert, dass sie an der Wunde schleckt oder sich gar selbst die Fäden zieht.

Wichtig: Bis die Wunde vollständig verheilt ist, sollten Freigänger nicht nach draußen gelassen werden. Sonst besteht die Gefahr, dass sich die Wunde infiziert oder aufreißt.

3. Wie läuft die Kastration beim Kater ab?

Auch beim Kater wird die Kastration unter Vollnarkose durchgeführt. Der Eingriff selbst ist allerdings wesentlich einfacher.

Zuerst wird das Fell am Hodensack entfernt. Anschließend wird dieser mit ein oder zwei Schnitten geöffnet. Gefäße und Samenleiter werden abgebunden und durchtrennt. Dann werden die Hoden herausgenommen. Weil die Wunden sehr klein sind, müssen sie normalerweise nicht vernäht werden.

Für beide Geschlechter gilt: Nach dem Eingriff solltet ihr es langsam angehen lassen und dafür sorgen, dass sich euer Liebling schont.

In diesem Artikel erfahrt ihr, was es nach einer Operation zu beachten gibt: 5 Tipps für das Verhalten nach einer Operation.

4. Was ist der Unterschied zwischen Kastration und Sterilisation?

„Katzen werden sterilisiert, Kater kastriert“, dieser Glaube hält sich hartnäckig. Früher wurde das tatsächlich so gehandhabt – wobei die Empfängnisverhütung meist gänzlich den Besitzern der Weibchen überlassen wurde. Katerbesitzer waren fein raus, denn sie mussten sich nicht um den Nachwuchs kümmern.

Bei einer Sterilisation wird das Tier unfruchtbar gemacht, indem man die Ei- bzw. Samenleiter abbindet. Dadurch wird der Transport von Ei- und Samenzellen verhindert. Eierstöcke und Hoden bleiben erhalten – und damit auch die Hormonproduktion mit allen unangenehmen Begleiterscheinungen wie Rolligkeit und Markierverhalten.

Heutzutage werden sowohl Katzen als auch Kater kastriert. Das bedeutet, dass die Keimdrüsen (Eierstöcke bzw. Hoden) entfernt werden und damit auch die Produktion von Sexualhormonen gestoppt wird.

Im Interesse der Tiere ist also die Kastration das Mittel der Wahl.

5. Was kostet die Kastration einer Katze?

Für die Kastration eurer Katze müsst ihr mit etwa 140 Euro rechnen. Für Kater ist der Eingriff mit ungefähr 85 Euro etwas günstiger. Die Preise können je nach Ausstattung und Standort der Praxis auch höher liegen.

Falls eure Mieze nach der Operation einen Schutzkragen oder Medikamente benötigt, kommt das noch obendrauf.

Kostenbeispiele für weitere medizinische Behandlungen findet ihr in diesem Artikel: AGILA: Starker Schutz für euren Liebling.

6. Wann ist der richtige Zeitpunkt für den Eingriff?

Kastration: dicker Kater

Wie alle kastrierten Katzen neigt auch Elvis zu Übergewicht

Beim richtigen Zeitpunkt scheiden sich die Geister. Manche Tierärztinnen empfehlen, eine Kastration erst dann durchzuführen, wenn das Tier ausgewachsen ist.

Frühkastration

Andere plädieren für eine Kastration, noch bevor die Samtpfote geschlechtsreif ist. Bei Katzen ist das mit sechs bis acht Monaten, bei Katern mit acht bis zehn Monaten der Fall. Ein solche Frühkastration erfolgt um den vierten Monat herum.

Befürworter argumentieren, dass ungeplanter Nachwuchs durch eine Frühkastration zuverlässig verhindert wird. Dagegen spricht, dass die Produktion bestimmter Hormone gestoppt wird, bevor die körperliche Entwicklung abgeschlossen ist. Möglicherweise führt das zu einer Unterentwicklung von Organen und auch von Verhaltensweisen.

Rein theoretisch kann man eine Katze schon ab der sechsten bis achten Lebenswoche kastrieren lassen. Die Forschungslage über mögliche Spätfolgen bei Katzen ist aktuell aber noch recht dünn.

Entscheidung am besten individuell treffen

In Deutschland erfolgen die Kastrationen meist in einem Alter zwischen sechs und acht Monaten. Allerdings sollte diese Entscheidung immer individuell getroffen werden, denn jede Katze ist anders. Am besten, ihr besprecht mit eurer Tierärztin, wann der richtige Zeitpunkt für deinen Vierbeiner bekommen ist.

7. Hat eine Kastration auch Nachteile?

Jede Operation mit Vollnarkose birgt ein gewisses Risiko. Doch die Kastration ist mittlerweile ein Routineeingriff, den jede Tierärztin aus dem Effeff beherrschen dürfte. Natürlich kann man Komplikationen wie zum Beispiel eine Entzündung der Wunde nie ganz ausschließen.

Rolligkeit trotz Kastration

In ganz seltenen Fällen tritt die Rolligkeit bei der Katze trotz Kastration auf. In dem Fall wurde das Eierstockgewebe nicht vollständig entfernt. Ihr solltet sie dann erneut in der Praxis vorstellen, um das Überprüfen und eventuell nachoperieren zu lassen.

Übergewicht

Ein weiterer Nachteil ist, dass Katzen durch die Hormonumstellung nach der Kastration an Gewicht zulegen. Da hilft nur mehr Bewegung, eine weniger kalorienreiche Ernährung oder in schweren Fällen auch beides.

Bilder: gumpapa, Lieblingskatze

Ähnliche Artikel

1 Kommentar

Avatar-Foto
Haustierguide 9. Mai 2023 - 10:25

Das Kastrieren einer Katze ist eine wichtige Entscheidung, die viele Vorteile für das Wohlbefinden der Katze sowie für das Zusammenleben von Mensch und Tier mit sich bringt. Neben der Verhinderung von unerwünschten Schwangerschaften gibt es auch einige gesundheitliche Vorteile für kastrierte Katzen.

Antwort

Hinterlasse einen Kommentar

* Du erklärst Dich bei jedem Kommentar mit der Speicherung und Verarbeitung Deiner Daten durch diese Website einverstanden. Weitere Informationen dazu findest Du in der Datenschutzerklärung.