Katzen brauchen keine Menschen – und wenn, dann nur als persönlichen Dosenöffner? Von wegen. Das Bild der Katze als selbst-bezogenenes Wesen bringt nun eine aktuelle Studie ins Wanken, die besagt: Katzen suchen beim Menschen Sicherheit, Beruhigung und Bestätigung. „Das Ziel unserer Studie war es herauszufinden, ob Katzen emotionale Informationen von Menschen aufnehmen und sich dann entsprechend verhalten“, heißt es in der Studie, deren Ergebnisse in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift Animal Cognition veröffentlicht wurden.

Das Experiment

Für die Studie haben die Wissenschaftlerin Dr. Isabella Merola und ihre Teamkolleginnen von der Universität Mailand das Verhalten von 24 Katzen beobachtet. Dazu saßen eine Katze und ihre Bezugsperson alleine in einem Raum, in dem sich ein für die Katze fremder, verwirrender und beängstigender Gegenstand befand: ein Ventilator mit flatternden Plastikbändern. Um das Verhalten der Katzen zu beobachten, hatten die Wissenschaftlerinnen hinter der Ausgangstür, die für die Katze eine eindeutige Fluchtmöglichkeit darstellte, eine Kamera positioniert.

In der ersten Phase des Experiments sollte sich die Bezugsperson neutral verhalten, also nichts tun. In der zweiten Phase des Experiments wurden die Teilnehmer in  zwei Gruppen aufgeteilt: In der einen Gruppe war das Verhalten der Bezugsperson positiv, die Stimmung locker und aufgelöst und in der zweiten Gruppe negativ, also angespannt und unruhig.

Das Ergebnis

Von Anfang an suchten die Katzen nach Bestätigung und Beruhigung ihrer Bezugsperson, dass alles in Ordnung ist und der Ventilator keine Bedrohung darstellt. Bereits in der ersten, der neutralen Phase, suchten 79 Prozent der Katzen den Blickkontakt zu ihrem Menschen. Ihr Blick ging immer wieder zwischen Mensch und Ventilator hin und her.

Wirklich überraschend war für die Wissenschaftlerinnen das Ergebnis, also die Reaktion der Katzen in der Negativ-Gruppe: Das Unbehagen und die Unruhe ihrer Bezugspersonen übertrugen sich auf die Katzen und beeinflussten ihr Verhalten. Ihr Blick wechselte nervös zwischen dem Ventilator und der Tür hin und her. Die Katzen wollten offensichtlich den Raum verlassen – und dafür war das menschliche Verhalten ausschlaggebend. „Wir werden noch weiter recherchieren, wie stark die Katzen von unserem Verhalten beeinflusst werden, zum Beispiel von unserer Stimme, unserer Haltung oder unserem Gesichtsausdruck“, sagt Dr. Merola. „Sicher ist jedoch schon jetzt, dass Katzen auf menschliche Gefühle reagieren. Viel mehr als wir denken.“

Quelle: IVH; Bild: © IVH