Plakate mit vermissten KatzenFür jeden, der Freigänger-Katzen hält ist es ein Schreckensszenario: Die Katze kommt nicht heim. Ob ihr etwas zugestoßen ist? Der betroffene Besitzer zermartert sich den Kopf vor lauter Sorgen und eine schreckliche Vorstellung jagt die andere. Auch Wohnungskatzen können in einem unbeobachteten Moment durch die Tür schlüpfen und verschwinden. Die eine oder andere unvorsichtige Urlaubsbetreuung kann wahrscheinlich ein Lied davon singen.

Eveline Kosenbach leitet die Vermisstenstelle im Tierheim München. Dort werden pro Monat ungefähr 60 Fundkatzen abgegeben. Die „Tierfahnderin“ führt zusammen, was zusammen gehört und ist dabei überaus erfolgreich: 95 Prozent der verloren gegangen Katzen kann sie ihren rechtmäßigen Besitzern wieder übergeben. Hier ihre Tipps:

Was tun, wenn die Katze fort ist?

Die Umgebung absuchen

Ungefähr 80 Prozent der vermissten Katzen sind versehentlich irgendwo eingesperrt worden, weil sie sich in fremde Keller oder Garagen geschlichen haben. Die Katze wird in dieser Situation höchstwahrscheinlich nicht auf Rufen reagieren und herauskommen. Deshalb unbedingt in jeden Winkel hineinsehen.

Plakate aufhängen

Eine bewährte Methode: Plakate an Bäumen, Laternenmasten oder am schwarzen Brett im Supermarkt. Auch die meisten Zoohandlungen haben eine Wand für Aushänge eingerichtet. Wichtig ist ein gutes Foto nebst einer aussagekräftigen Beschreibung eurer Samtpfote. Fordert die Leser dazu auf, gründlich in ihren Kellern, Schuppen und Garagen nachzusehen.

Soziale Netzwerke nutzen

Stell eine Suchmeldung auf Facebook, Twitter und Google+ ein. Bitte die anderen User, deine Meldung zu teilen.

Die Nachbarn fragen

Erkundigt euch, wer von euren Nachbarn zurzeit in Urlaub ist. Vielleicht wurde die Katze in einer fremden Wohnung eingeschlossen.

Bei Tierärzten nachfragen

Wurde die Katze verletzt, ist sie möglicherweise bei einem Tierarzt oder in einer Tierklinik in der Umgebung gelandet. Wenn die Katze gechippt ist, kann der Tierarzt den Chip auslesen und über die Registrierungsnummer den Besitzer ausfindig machen. Dazu muss die Katze allerdings bei einer Organisation wie zum Beispiel Tasso registriert sein.

Die Straßenmeisterei anrufen

Falls die Katze im Straßenverkehr getötet wurde, weiß möglicherweise die örtliche Straßenmeisterei davon. Auch wenn es schwer fällt, dort anzurufen: Es ist besser mit der traurigen Tatsache zu leben, als jahrelange Ungewissheit zu ertragen.

Beim Tierheim erkundigen

Mit etwas Glück wurde die Katze im Tierheim abgegeben. Manche Tierheime stellen ihre Fundkatzen auch ins Internet. Da die Tierheime untereinander nicht vernetzt sind, sollte man alle Tierheime einzeln abklappern – falls es in der Umgebung mehrere Tierheime gibt.

Screenshot Fundkatzen

Fundkatzen auf der Website des Münchner Tierheims

Polizei und Feuerwehr

Manchmal werden Fundkatzen bei der Polizei abgegeben oder müssen von der Feuerwehr aus einer misslichen Lage befreit werden. Erkundigt euch nach entsprechenden Einsätzen. Bei einem konkreten Verdacht Diebstahls-Anzeige bei der Polizei stellen.

Wichtig: Nicht aufgeben

Es kann eine Zeit dauern, bis die Katze irgendwo auftaucht. Deshalb sollte man es nicht bei einem Anruf belassen – lieber in regelmäßigen Abständen nachhaken.

Vorsichtsmaßnahmen

Chippen und registrieren lassen

Lass deine Katze kennzeichnen. Von Tätowierungen rät die Tierfahnderin Eveline Kosenbach ab, denn diese verblassen mit der Zeit. Besser ist es, das Tier mit einem speziellen Mikrochip zu kennzeichnen (chippen). Für Reisen in Länder der EU ist ein Chip seit 3. Juli 2011 ohnehin Pflicht. Der Mikrochip oder Transponder wird mit einer Spritze in die linke Halsseite des Tieres injiziert. Er hat eine individuelle, 15-stellige Nummer, die mit einem speziellen Gerät ausgelesen werden kann.

Der beste Chip nützt allerdings nichts, wenn das Tier nicht bei einer Organisation wie Tasso oder dem Deutschen Haustierregister registriert ist.

Gute Fotos machen

Zum Schluss noch ein Tipp von mir: Für Plakate und Suchmeldungen in sozialen Netzwerken braucht es aussagekräftige Fotos. Oft genug sehe ich Plakate mit Bildern, auf denen man das Aussehen der Katze bestenfalls erahnen kann. Fotografiert Eure Katze deshalb am besten aus mehreren Perspektiven, solange sie noch da ist.

Buchtipp „Liebling verzweifelt gesucht“

Ihre Erfahrungen bei der Suche nach den Besitzern von Fundkatzen anderen Fundtieren schildert Eveline Kosenbach in ihrem Buch Liebling verzweifelt gesucht*. Es enthält viele spannende und anrührende Geschichten – ich werde mir das Buch auf jeden Fall besorgen.

* Affiliate Link; Bild: © Lieblingskatze