In Nordrhein-Westfalen tobt aktuell ein Streit zwischen Tier- und Naturschützern auf der einen und Jägern auf der anderen Seite. Zankapfel ist das neue Ökologische Jagdgesetz NRW (ÖJG), das im Sommer in Kraft treten soll und das sich am Tierschutz orientiert. Nach den neuen Regelungen soll unter anderem die Jagd auf Katzen verboten werden.

Im Moment ist das Erlegen von Katzen durch Jäger in den meisten Bundesländern legal. Miezen, die in einem bestimmten Abstand vom nächsten Gebäude (meistens 200 oder 300 Meter) angetroffen werden, gelten automatisch als wildernd und dürfen getötet werden – auch wenn sie nur vor einem Mauseloch sitzen. Es ist schwer zu sagen, wieviele Katzen insgesamt betroffen sind. Schätzungen aus Tierschutzkreisen gehen von 300.000 bis 500.000 von Jägern getöteten Katzen und 30.000 bis 50.000 Hunden aus. Aktuell gibt es aber nur fünf Bundesländer, in denen Haustierabschüsse bzw. das Töten durch Fallen statistisch erfasst werden. Hier die Zahlen:

Erlegte Haustiere im Jagdjahr 2013/2014

  • Hamburg: 31 Katzen, 0 Hunde
  • Hessen: 353 Katzen, 5 Hunde
  • Nordrhein-Westfalen: 7.595 Katzen, 51 Hunde
  • Saarland: 0 Katzen, 0 Hunde
  • Schleswig-Holstein: 3971 Katzen, 5 Hunde

Sehr interessant sind die Zahlen des Saarlandes. Ausgerechnet jetzt, wo das Thema Katzen- und Hundeabschuss in NRW heiß diskutiert wird, sollen im letzten Jagdjahr überhaupt keine Haustiere erlegt worden sein? Ich habe mir darauf hin die saarländischen Jagdstrecken seit 2004/2005 im Hinblick auf die Zahlen für Katzen angesehen. Vorher wurden Katzen offenbar nicht erfasst.

Erlegte Katzen im Saarland

  • Jagdjahr 2013/2014: 0 Katzen
  • Jagdjahr 2012/2013: 22 Katzen
  • Jagdjahr 2011/2012: 23 Katzen
  • Jagdjahr 2010/2011: 56 Katzen
  • Jagdjahr 2009/2010: 82 Katzen
  • Jagdjahr 2008/2009: 142 Katzen
  • Jagdjahr 2007/2008: 114 Katzen
  • Jagdjahr 2006/2007:  76 Katzen
  • Jagdjahr 2005/2006:  199 Katzen
  • Jagdjahr 2004/2005: 236 Katzen

Wie man sieht, schwanken die Zahlen stark. Es gab aber bis auf 2013/2014 kein Jahr, in dem im Saarland keine Katzen erlegt wurden. Zufall?

Eine hohe Dunkelziffer

Längst nicht alle Katzen- oder Hundeabschüsse werden für die Statistik gemeldet. Tierschützer gehen von einer hohen Dunkelziffer aus: “Die Zahlen sind mit Sicherheit weitaus höher. Nach dem Jägersprichwort schießen, schaufeln, schweigen werden die Zahlen beschönigt, weil der Haustierabschuss das Image der Jäger schädigt.”, so Mike Ruckelshaus, tierschutzpolitischer Sprecher der Tierschutzorganisation Tasso in einem Telefonat.

Totschlagfallen

Bei der Katzenjagd kommt nicht nur das Gewehr zum Einsatz. Auch Totfangfallen sind in vielen Bundesländern erlaubt und können deutschlandweit frei verkauft werden. Der Fallen-Hersteller Kieferle zum Beispiel wirbt auf seiner Website offen mit Totschlagfallen, die auch für Katzen geeignet sein sollen:

Totschlagfalle für Katzen und Marder

Totschlagfalle für Katzen und Marder (Screenshot)

Es kommt immer wieder vor, dass Katzen in diesen Fallen nicht sofort getötet werden (was schlimm genug ist), sondern dass etwa ein Bein eingeklemmt wird und die Tiere oft langsam und qualvoll zugrunde gehen.

Jäger contra Naturschützer

Warum schießen Jäger auf Katzen? Um die Jagd auf Katzen zu rechtfertigen, argumentieren Jäger vor allem mit dem Schutz einheimischer Wildtiere. Ihrer Ansicht nach gefährden Katzen vor allem bodenbrütende Vogelarten und Niederwild. Aus einer Pressemitteilung des deutschen Jagdverbandes:

“Es geht um die nach Angaben von Tierschutzverbänden mehr als 2,5 Millionen verwilderten, herrenlosen Hauskatzen. Diese haben einen Einfluss auf die heimische Tierwelt, wenn man Zahlen aus der Wissenschaft zugrunde legt. Demnach kann eine Katze bis zu 1.000 Vögel und kleine Säugetiere in den Monaten März bis August erbeuten. Deshalb ist fernab von Siedlungen der Abschuss das letzte Mittel und muss erhalten bleiben. Die Hauskatze stammt ursprünglich aus Ägypten und wird von Wissenschaftlern als große Gefahr für die heimische Tierwelt angesehen.”

Doch Hauskatzen erlegen in erster Linie Mäuse und hin und wieder einen Vogel. Ihre Beute finden sie vor allem in Siedlungen, wo ohnehin keine Jagd stattfindet. Holger Sticht von der Naturschutz-Organisation BUND hält die Argumente der Waidmänner für Jägerlatein. So sei der Bestand von bodenbrütenden Vogelarten wie Rotkehlchen und Zilpzalp im Siedlungsbereich seit Jahrzehnten konstant hoch – obwohl es dort die höchsten Hauskatzendichten gibt. Außerdem könne eine Hauskatze im Gelände leicht mit einer europäischen Wildkatze verwechselt werden. Letztere steht unter Naturschutz und darf nicht geschossen werden.

Der Vogelexperte Lars Lachmann vom Naturschutzbund Deutschland hält Katzen zwar durchaus für eine Gefahr für Vögel, aber nicht für eine ernste Bedrohung. Seiner Meinung nach wird keine Vogelart in Deutschland aussterben, weil es Katzen gibt. Durch die Wildkatze gäbe es hierzulande nur Vogelarten, die grundsätzlich mit Katzen klar kommen.

Um verwilderte Hauskatzenpopulationen einzudämmen, gibt es tierschutzgerechte Alternativen: Einfang- und Kastrationsaktionen für Streunerkatzen sowie die Einführung einer Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht für Freigänger.

Ende der Katzenjagd in NRW?

In Nordrhein-Westfalen soll ab Juni Schluss sein mit dem Abschuss von Katzen und dem Aufstellen heimtückischer Totschlagfallen – zumindest, wenn es nach Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) geht. Unter seiner Federführung hat die Landesregierung den Entwurf für das neue Ökologische Jagdgesetz NRW (ÖJG) verabschiedet. Es wird derzeit im Landtag beraten und soll im Sommer in Kraft treten. Das bisherige Jagdgesetz verliert Ende Juni 2015 seine Gültigkeit.

Die wichtigsten Punkte des Gesetzentwurfes:

  • Die Liste der jagdbaren Arten wird verkleinert
  • Jagdhunde-Ausbildung an flugunfähig gemachten Enten wird verboten
  • Eine Jagdsteuer wird eingeführt
  • Totschlagfallen werden verboten
  • Auf Hauskatzen darf überhaupt nicht mehr geschossen werden, auf Hunde nur noch in Ausnahmefällen

Die Natur- und Tierschutzorganisationen Animal Public, BUND und Tasso unterstützten die Novelle mit 30.000 Unterschriften, die sie dem Landtag am 17. März übergaben.

Proteste der Jäger

Die 87.000 Jäger in NRW wollen sich diese Änderungen nicht gefallen lassen und blasen zum Halali auf das neue Gesetz. Am 18. März demonstrierten 15.000 Grünröcke vor dem Landtag in Düsseldorf. Auch das Recht, jede Katze zu erschießen, die sich mehr als 200 Meter vom nächsten Gebäude aufhält, wollen sie sich nicht nehmen lassen.

Klare Kante in der Katzenfrage

So wie es momentan aussieht, will Umweltminister Remmel in der Katzenfrage keine Kompromisse eingehen. In einem Interview mit der Kölnischen Rundschau sagte er: „Bei der Frage gibt es meines Erachtens aber keinen Spielraum, sondern nur klare Kante: Der Katzenabschuss gehört nicht ins Jagdrecht! Man muss allerdings auch sehen, dass wir ein Problem mit der Zunahme von Freigängern oder verwilderten Hauskatzen haben. Es ist Angelegenheit der Kommunen, diese Situation zu regulieren – etwa über eine Kennzeichnungs- oder Kastrationspflicht.“

Ich bin gespannt, ob Remmel in der Katzenfrage hart bleibt, denn bei den anderen Punkten ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Ich werde euch auf dem Laufenden halten.

Bild: © Fotolia, Astrid Gast; Screenshot