Heute behandle ich ein Problem, das Katzenhalter zur Verzweiflung treiben kann: Anstatt ins Katzenklo pinkelt die Katze auf die Badematte oder macht ihr Häufchen neben die Toilette. Und weil Katzenkot und Katzenurin nun einmal fürchterlich stinken, stellt so ein Verhalten die Beziehung zwischen Mensch und Tier auf eine harte Probe.

Katzenforen sind voll von Hilferufen wie zum Beispiel „Kater plötzlich unsauber“, „Akira macht ins Waschbecken“ oder „Hilfe, Katze macht nachts nicht ins Kisterl“.

Woran liegt es, wenn eine Katze plötzlich unsauber wird? In diesem Artikel möchte ich auf die vier wichtigsten Gründe für Unsauberkeit bei Katzen eingehen.

1. Körperliche Ursachen

Wird eine Katze plötzlich unsauber, kann eine ernsthafte Krankheit dahinter stecken. Deshalb lautet hier als allererstes die Devise: Ab zum Tierarzt und körperliche Ursachen wie zum Beispiel eine Blasenentzündung oder Harngries ausschließen lassen. Erkrankungen der Harnwege sind äußerst schmerzhaft und zum Teil sogar lebensbedrohlich, wie zum Beispiel ein Harnröhrenverschluss.

Sind die Schmerzen als erstes auf dem Klo aufgetreten, kann es sein, dass die Katze nach erfolgreicher Behandlung das Klo weiterhin meidet. Sie gibt sozusagen dem Klo die „Schuld“ an ihren Schmerzen.

Hinterlässt eine Katze an mehreren Stellen in der Wohnung Exkremente, ist möglicherweise eine Darmerkrankung die Ursache. Das Tier schafft es einfach nicht mehr rechtzeitig auf die Toilette. Bei alten Katzen sollte man außerdem daran denken, dass auch Demenz zu Unsauberkeit führen kann. Neurologische Probleme – etwa nach einem Unfall –  können Inkontinenz verursachen.

2. Ursache Katzenklo

Unsauberkeit bei Katzen - KatzenkloKatzen sind sehr penibel, was das stille Örtchen betrifft. Stimmt etwas nicht mit dem Katzenklo, so wird die Katze den Kot bzw. Urin entweder einhalten oder sich anderswo erleichtern. Gerade das Einhalten wird leicht übersehen und kann sehr gefährlich werden. Mein Kater hatte einmal fünf (!) Tage lang keinen Stuhlgang. Das Katzenklo wurde nur zum Pinkeln aufgesucht. Der Tierarzt fand keine plausible Erklärung, kein Hausmittel half.  Bis ich schließlich auf die Idee kam, die neue Streu gegen die altbekannte auszutauschen. Kaum war die alte Streu wieder eingefüllt, saß der Kater schon drin und machte sein großes Geschäft. Zum Glück hat er keinen Schaden davon getragen.

Prinzipiell sollte man immer ein Klo mehr aufstellen, als Katzen im Haushalt leben. Die Klos sollten an einem ruhigen Ort aufgestellt werden und von zwei Seiten aus zugänglich sein (Fluchtweg). Regelmäßige Reinigung ist Pflicht.

Wird das Katzenklo links liegen gelassen, solltet Ihr folgende Punkte abklären:

Mögliche Schwachstellen beim Katzenklo

  • Stehen die Toiletten am richtigen Standort? Ist die Katze dort ungestört? Wurde etwas in der Wohnung verändert?
  • Ist die Toilette groß genug? Große Rassen wie zum Beispiel Maine Coon brauchen mehr Platz.
  • Ist es das richtige Modell? Haubentoiletten sind bei Katzen nicht sonderlich beliebt, denn es herrscht „dicke Luft“ darin und es gibt wenig Platz zum aufrecht hinhocken und zum scharren.
  • Wurde ein neues Reinigungsmittel verwendet? Ein anderer Duft kann die feinen Nasen irritieren.
  • Wurde die Einstreu gewechselt? Hat der Hersteller die Zusammensetzung geändert?

3. Stress

Unsere Samtpfoten sind sehr sensible Geschöpfe und dazu noch ausgesprochene Gewohnheitstiere. Veränderungen bedeuten für sie oft Stress – und Stress kann sich auch durch Unsauberkeit bemerkbar machen. Leben mehrere Katzen im Haushalt, kann auch Ärger in der Gruppe zu Unsauberkeit führen. Vielleicht wird eine Katze auf der Toilette von den anderen angegriffen. Deshalb sollte man das Umfeld der betroffenen Samtpfote ehrlich und gründlich auf mögliche Stressfaktoren abklopfen:

Mögliche Stressfaktoren

  • Ist ein neues Familienmitglied hinzugekommen? Ein neuer Lebensgefährte, Geburt eines Babys?
  • Ist eine neue Katze eingezogen?
  • Ist ein Familienmitglied ausgezogen oder gestorben?
  • Ist eine der Katzen oder ein anderes Haustier gestorben?
  • Seid Ihr mit der Katze umgezogen?
  • Wurde die Wohnung renoviert? Wurden die Möbel umgestellt oder neue Möbel angeschafft? Ist vielleicht der Lieblingsplatz der Katze davon betroffen?
  • Wird ein Raumspray verwendet? Verwendet einer der Mitbewohner ein neues Parfüm oder Deo?
  • Steckt einer der Bewohner in einer Krise und die Katze ist davon irritiert?
  • Wurde die Katze auf dem Klo erschreckt? Durch eine andere Katze, Kinder oder zum Beispiel ein lautes Geräusch von draußen?
  • Stören vielleicht Baulärm oder laute Musik?

4. Harnmarkieren

Harnmarkieren gehört bei Katzen zum natürlichen Verhaltensrepertoire. Durch das Setzen von Duftmarken hinterlassen sie ihren Artgenossen bestimmte Botschaften wie zum Beispiel „hier wohne ich“ oder „ich bin rollig“. In der Wohnung werden vor allem territorial bedeutsame Stellen markiert: Türen, Eingänge oder Durchgänge.

Woran erkennt man Harnmarkieren?

Katzen markieren in der Regel vertikale Flächen wie zum Beispiel Wände, Schränke oder Türen. Die ausgewählte Stelle wird beschnuppert, dann dreht sich die Katze um und spritzt eine kleine Menge Urin auf die Stelle. Der Schwanz steht dabei senkrecht nach oben und die Spitze zittert. Der Unterschied zum „normalen Pinkeln“: Die Katze steht beim markieren aufrecht und sitzt nicht in der Hocke. Außerdem wird nur eine kleine Menge Urin abgesetzt.

Warum markieren Katzen?

Auf jeden Fall nicht, um „ihre“ Menschen zu ärgern. Das Urinmarkieren oder auch Spitzharnen genannt, kommt vor allem dann zum Einsatz, wenn das Revier und seine Grenzen verteidigt werden müssen. So ist es nicht verwunderlich, dass dieses Verhalten oft im Mehrkatzenhaushalt vorkommt. Hier müssen die Grenzen untereinander ausgehandelt werden. Auch Wohnungskatzen markieren, wenn etwa eine neue Katze einzieht oder nach einem Umzug. Generell markieren Kater häufiger als Katzen und unkastrierte Tiere häufiger als kastrierte.

Unsauberkeit ist keine böse Absicht

Wie Ihr seht, kann es für Unsauberkeit viele Gründe geben. Es steckt jedoch nie eine böse Absicht dahinter. Katzen, die unsauber sind, wollen ihre Besitzer weder ärgern noch sich für irgendetwas rächen. Unsauberkeit ist ein Anzeichen für Krankheit, Unwohlsein, Stress oder Unsicherheit, was das Revier betrifft.

Was hilft?

Körperliche Ursachen kann man vom Tierarzt behandeln lassen. Doch was tun, wenn es an etwas anderem liegt? Wie bekommt man die Unsauberkeit in den Griff?

Eines ist sicher: Strafen sind keine Lösung. Wer seine Katze anschreit, schüttelt oder die Katzennase in den Kot oder in die Urinpfütze taucht, handelt grausam! Der Stress für das Tier wird dadurch nur noch größer und das Problem eher schlimmer als besser.

Im zweiten Teil berichte ich über geeignete Abhilfemaßnahmen bei Unsauberkeit.

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