Weil Katzen Schmerzen und Unwohlsein perfekt verbergen können, gibt es beim Tierarzt manchmal böse Überraschungen. Weiß ein Katzenhalter, worauf er zu achten hat, dann kann dem Tier frühzeitig geholfen werden.

„Katzen machen es ihren Besitzern oft schwer, Krankheiten oder Beschwerden zu erkennen“, sagt Barbara Schöning, Erste Vorsitzende der Gesellschaft für Tierverhaltensmedizin und -therapie e. V. (GTVMT). „Viele Menschen gehen davon aus, dass es ihrem Tier gut geht, wenn es unauffällig und still ist – und merken dabei gar nicht, dass die Katze sich Berührungen entzieht und eben nicht nur entspannt schläft.“ So würden beispielsweise Katzen mit Diabetes zuweilen erst beim Tierarzt vorgestellt, wenn sie schon fast im Koma liegen. Der Halter hätte zwar schon seit Monaten kleine Verhaltensänderungen wie wechselhaften Appetit und Schlappheit bemerken können, hat aber die Puzzleteile nicht richtig zusammengesetzt.

„Tierhalter sollten das ganze Bild interpretieren“

Der Grund für die Geheimniskrämerei liegt in der Evolution: Katzen sind kleine Raubtiere, die aber auch selbst Opfer größerer Räuber werden können. Auch das Konkurrenzverhalten gegenüber anderen Katzen trägt dazu bei, dass Katzen körperliche Schwäche so gut wie möglich verbergen – für fürsorgliche Katzenhalter eine Herausforderung.

„Tierhalter sollten das ganze Bild interpretieren“, rät die Tierärztin Barbara Schöning. „Alle Verhaltensveränderungen können Hinweise auf Veränderungen des Gesundheitszustands geben.“ Ein Anzeichen für Unwohlsein kann zum Beispiel sein, wenn der Jäger Katze nicht mit den Augen folgt, wenn man Spielzeug oder Leckerchen bewegt. Schuppiges, raues Fell kann ebenso ein Krankheitsanzeichen sein wie übertriebene oder gar keine Fellpflege. Auch Veränderungen des Appetits und Trinkverhaltens sowie der körperlichen Aktivität sollten Beachtung finden.

Warnsignale für ernste Krankheiten

Klare Warnsignale sind laut Schöning erweiterte Pupillen im hellen Tageslicht. Gelblich verfärbte Augen können Hinweise auf Vergiftungen oder Leberschäden sein. Auch eine gräulich wirkende Mundschleimhaut kann auf ein Problem hindeuten – um solche Feinheiten richtig zu interpretieren, benötigt man aber veterinärmedizinische Kenntnisse.

Mit dem Gang zum Tierarzt sollte man nicht zu lange warten, rät Schöning: „Wenn eine Katze normalerweise sehr aktiv ist, aber plötzlich matt in der Ecke liegt, dann sollte sie einem Fachmann vorgestellt werden.“ Dieser wird viele Detailfragen zu Appetit, Verdauung und Verhalten stellen und sich freuen, wenn der Katzenhalter sein Tier aufmerksam beobachtet hat. So kann dem Stubentiger hoffentlich schnell geholfen werden.

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Quelle: IVH; Bild © Royalty-Free/Corbis, MS Office